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Lokale Fertigung gewinnt an Wichtigkeit

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Interview mit Dr. Ing. Ingo Ederer, CEO der voxeljet AG, die den Markt neben einem umfangreichen Angebot an Binderjetting-Maschinen auch mit einem Dienstleistungszentrum adressiert. Wie sich die Herangehensweise an den Markt durch die Krise für voxeljet verändert, verrät Dr. Ing. Ingo Ederer im Interview.

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Dr. Ing. Ingo Ederer, CEO der voxeljet AG.

Dr. Ing. Ingo Ederer, CEO der voxeljet AG.

Das Fachmagazin Additive Fertigung feierte im Juni sein fünfjähriges Bestehen. voxeljet war von Anfang an mit dabei und beinahe in jedem Heft vertreten. Welchen Stellenwert hat die Fachpresse für voxeljet?

Für uns sind Medien wie die Additive Fertigung Multiplikatoren unserer Messages. Wir freuen uns, dass es Medien gibt, die geeignet sind, unsere News in der Welt zu verbreiten. Ich bin immer noch ein Verfechter von Fachmagazinen. Vor allem, wenn sie eine entsprechende Verbreitung haben. Letztendlich haben wir auch sonst kaum eine Möglichkeit uns aktiv mitzuteilen. Multiplikatoren sind an der Stelle extrem wichtig. Aber ich denke auch, die Leute, die ein Magazin gerne in der Hand halten, werden in Zukunft weniger werden.

Inwiefern ist die Fachpresse für Euch hilfreich? Was gefällt Ihnen daran?

Welche Möglichkeiten haben wir als Unternehmen denn, um uns zu präsentieren? Wir haben unsere eigene Plattform, sprich Website und Mailing. Die Fachpresse wird jedoch neutraler gesehen. Wenn jemand unsere Mailings liest, ist er entweder ein Fan von uns oder interessiert sich tatsächlich dafür, bildet sich aber seine Meinung über noch weitere Kanäle. Wenn es über die Fachpresse kommt, dann geht der Leser schon davon aus, dass das jemand vorher gelesen und alles auf seine Richtigkeit geprüft
hat.

Das heißt, eine regelmäßige Präsenz in Fachmagazinen ist für Euch wichtig?

Es gilt die Regel: steter Tropfen höhlt den Stein. Wenn man in der Fachpresse nicht mehr präsent ist, dann rückt z. B. beim nicht so nahen User der Begriff der Firma und was sie tut in den Hintergrund. So gesehen ist regelmäßige Präsenz in den Fachmedien, da seid ihr dabei oder auch eine Gießerei-Zeitschrift, für uns wirklich wichtig, um beim potenziellen Kunden, der nicht täglich mit uns zu tun hat, in der Wahrnehmung zu bleiben.

Immer mehr Unternehmen setzen verstärkt auf Online-Medien. Wie stehen Sie zu Formaten wie Newsletter, Blogs und ähnlichem?

Ich habe ein paar Daily Newsletter die reinkommen und da suche ich mir in der Regel schon ein oder zwei Themen aus. Das sind aber keine 3D-Druck-Newsletter, die haben den 3D-Druck eher irgendwo dabei und featuren in der Regel auch über andere Plattformen. Ich lese z. B. auch den Newsletter einer Businessplattform, weil der interessanterweise einen sehr schönen Mix an Unternehmens-News hat oder den Handelsblatt-Newsletter, die sind so gemixt, dass du einen Unternehmensleiter nicht nur auf 3D-Druck ansprechen kannst.

Der Zugang zum Markt verändert sich gerade. Die Interaktion mit den Menschen verändert sich, geprägt vom Wegfall von Veranstaltungen und Messen. Wie geht es Euch damit?

Das schadet uns und der ganzen Branche. Das muss man ganz klar sagen. Investitionsgüter werden sehr stark über Messepräsenz an den Mann gebracht. Entscheider wollen dieses Format Messe – vor allen Dingen die Hands-on-Messen – sprich die Maschine, die Anlage oder die Prozesstechnik wirklich sehen, mit dem Anbieter direkt in Kontakt treten und den Vergleich mit den Wettbewerbern suchen. Das ist bei allen Alternativen,
die es zu physikalischen Messen gibt, nicht in dem Maße gegeben. Deswegen glaube ich, dass der Investitionsgüterbereich, der einen relativ langen Verkaufszyklus hat, definitiv Schaden nimmt. Das geht jetzt nicht gleich von heute auf morgen, aber ich gehe davon aus, dass das eine Delle gibt, die uns die nächsten zwei Jahre begleitet. Investitionsentscheidungen werden in der Regel nicht komplett kurzfristig getroffen, sondern sind die Folge von Budget-Entscheidungen. Daher ist unser Geschäft in diesem Jahr sicherlich, was den Verkauf von Maschinen betrifft, von Covid-19 noch nicht so stark betroffen wie z. B. die Dienstleistung, die viel kürzere Zyklen hat.

Kann das AM-Geschäft von der Corona-Krise Ihrer Meinung nach profitieren? Und wie?

Wir sind trotz der wirtschaftlichen Delle, die wir jetzt erleben, zuversichtlich, weil der Bereich Additive Fertigung glaube ich auch insgesamt bzw. insbesondere von dieser Krise profitieren wird. Das Thema lokale Fertigung kann die Additive Fertigung super adressieren und mit zunehmender Unsicherheit, Güter über Ländergrenzen hinweg zu produzieren und zu exportieren, wird diese Frage „Wie source ich?“, einfach so beantwortet werden, dass kleinere Losgrößen lokal produziert werden. Das heißt nicht, dass überall Autofabriken entstehen werden, aber die typischen Fälle, dass viele Großgussteile z. B. in China gesourced wurden, das wird es in Zukunft nicht mehr so in diesem Maße geben. Da wird sich wieder eine Umorientierung einstellen. Das ist, glaube ich, für alle gut. Die Einschätzung, die ich persönlich habe, ist, dass das Mengenniveau an produzierten Gütern generell niedriger wird, das heißt, dass die Mengen die bislang nachgefragt und verarbeitet wurden, eher zurückgehen, sodass die Lebenszyklen von Produkten eher nach oben gehen, einfach auch aus Ressourcen-Gründen. Und dass das Thema lokales Produzieren auch damit eher in den Vordergrund rückt, dafür haben wir natürlich Antworten.

Wir bedanken uns für das Gespräch.


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Ehe Roboter sicher mit Menschen zusammenarbeiten können, brauchen sie bessere Möglichkeiten, die Welt um sich herum wahrzunehmen, als sie heute verfügbare Sensorik zur Verfügung stellt. Am Laboratory for Soft Bioelectronic Interfaces (LSBI) der École Polytechnique Fédérale de Lausanne arbeiten Aaron P. Gerratt und sein Team an einer Sensorik, die Berührungen elektronisch erfassbar macht. Im Unterschied zu anderen Ansätzen soll sich das Tast-Sensorium flächig über die Arme und Greifer von Robotern ziehen lassen und muss daher extrem dünn sein. Dadurch ist als die elektronische Haut auch dafür geeignet, Prothesen einen Tastsinn zu verleihen. Noch wurde längst nicht die letzte Etappe dieser Forschungsreise begonnen. Dennoch konnten die Schweizer Wissenschaftler im Rahmen der Materialerforschung bereits die praktische Eignung nachweisen. Autor: Ing. Peter Kemptner / x-technik
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