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Im Dialog: Demografischer Werte-Change

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In einer Zeit, in der die Digitalisierung unseren Globus zunehmend verändert und den Menschen in ihrem privaten wie beruflichen Umfeld nicht nur neue Gestaltungsspielräume ermöglicht, sondern auch neue Herausforderungen beschert, verängstigt darüber hinaus seit Jahresbeginn das neuartige Coronavirus die gesamte Erdbevölkerung. So unterschiedlich beide Aspekte die Menschheit auch beschäftigen mögen, so erzeugen beide auf den zweiten Blick ein Spannungsfeld, unter dem alle Völker dieser Erde einen demografischen Werte-Change erleben. Ing. Helmut Maier, Senator des Senats der Wirtschaft Österreich, nimmt dazu im Dialog mit Mag. Wolfgang Lidl, Geschäftsführer TopTraining Lidl & Partner OG, die Wechselwirkungen dieser Challenges unter die Lupe und erörtert, wie Unternehmen diesen Anforderungen heute und in Zukunft in ihren strategischen Ausrichtungen und im Umgang mit ihren Mitarbeitern begegnen können.

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Mag. Wolfgang Lidl, Geschäftsführer TopTraining Lidl & Partner OG.

Mag. Wolfgang Lidl, Geschäftsführer TopTraining Lidl & Partner OG.

Helmut Maier: Wolfgang, im Laufe der vergangenen Jahre hast du dein Unternehmen TopTraining Lidl & Partner OG sehr erfolgreich aufgebaut und dich mit dem Faktor Mensch im Einsatz verschiedenster Aufgabengebiete beschäftigt. So hast du z. B. mit Athleten im Spitzensport gearbeitet wie auch die Entwicklung von Arbeitnehmern in namhaften Unternehmen vorangetrieben. Welche Erfahrungen hast du dabei bezüglich der jüngsten digitalen Entwicklungen in Unternehmen gemacht?

Wolfgang Lidl: Unsere Welt ist im Wandel. Das war sie immer schon und wird sie auch immer sein. Doch im Vergleich zu früher verändert sie sich in einer exponentiell zunehmend rasanten Geschwindigkeit. Die Vielzahl vorhandener Begriffe für diese Veränderung und deren Verursacher wie z. B. digitale Transformation, Industrie 4.0, Automatisierung, Robotik, künstliche Intelligenz (KI), Big Data, Internet of Things (IoT) etc. zeigen, wie weit fortgeschritten, tiefgreifend und vor allem komplex dieser Wandel ist. Mit diesem digitalen Change, dessen Bedeutung und Auswirkungen in seiner gesamten Tragweite kommen jedoch sehr viele Menschen noch nicht zurande und erfassen diese nicht für sich im alltäglichen Umfeld, weil ihnen dafür zumeist das notwendige Verständnis fehlt.

Das Akronym V.U.C.A. beschreibt dazu sehr anschaulich und transparent die Eigenschaften dieses Phänomens. Es setzt sich aus den englischen Begriffen „volatility“ (Unbeständigkeit), „uncertainty“ (Unsicherheit), „complexity“ (Komplexität) und ambiguity (Mehrdeutigkeit) zusammen. Anforderungen und Schwierigkeiten sowie deren Rahmenbedingungen, mit denen wir in unserer Umwelt nun scheinbar konfrontiert sind, sind ein unumgängliches Resultat daraus. Diese weitreichenden und immer schneller werdenden
Veränderungen stellen die größten Herausforderungen unserer Zeit dar.

Helmut Maier: Bis jetzt hatte aber jede Generation vor uns ebenfalls ihre eigenen Herausforderungen und alle haben sie in ihrer Art und Weise bestens gemeistert. Dabei war der Schlüssel zum Erfolg stets, das Erlernte aus den Erfahrungen der Vergangenheit mutig und innovativ in einer zeitgemäßen Handhabung zu deren Bewältigung einzusetzen.

Wolfgang Lidl: Die wohl markanteste und tiefgreifendste Veränderung unserer Zeit ist, dass Erfahrungen und Erlerntes immer weniger repräsentative Erfolgskonzepte zur Bewältigung der Herausforderungen und Anforderungen der Gegenwart liefern. Zusätzlich lassen sich gefundene Strategien zur Lösung von aktuellen Problemen kaum mehr in ähnliche und oft sogar nur bedingt in selbe Tätigkeitsfelder duplizieren. Die Zeiten von Blueprint-Lösungen sind somit definitiv vorbei – ganz besonders in unserer aktuellen Situation, in der wir zusätzlich mit der neuartigen Corona-Pandemie zu kämpfen haben, welche unseren gesamten Globus beherrscht.

Und trotz der immensen Technologisierung rückt der Mensch immer mehr in den Mittelpunkt und stellt die zentrale Rolle innerhalb der digitalen Transformation dar. Dabei reagiert er im Gegensatz zu einer Maschine sensibel und kompliziert auf Veränderungen und entwickelt sich so immer mehr zur Schlüsselfigur in dieser digitalen Welt. Als Akteur kann er einerseits der Treiber, aber genauso gut der Gegenspieler, also entweder der Beschleuniger oder der Widerstand in diesem digitalen Transformationsprozess sein. Legt er dabei seine Scheu vor den Herausforderungen der digitalen Arbeitswelt ab und richtet seinen Fokus auf die unzähligen darin liegenden Chancen, dann wird er als großer Profiteur aus diesem Wandel herausgehen.

Unter der Prämisse der neuen weltweiten Spannungssituation, die das SARS-CoV-2 uns beschert, zeigt sich auch, dass durch die Digitalisierung
sich das bisher gewohnte Arbeitsumfeld in einem Unternehmen „dezentralisieren“ lässt, wie beispielsweise das Büro nach Hause in die eigenen vier Wände verlegbar ist oder Produktionsabläufe sich von allerorts überwachen lassen.

Helmut Maier: Darüber hinaus muss der Auftrag des Menschen sein, sich im Hinblick auf die Gestaltung seiner erfolgreichen Zukunft auf jene wesentlichen Aufgaben zu konzentrieren, die durch Maschinen auf kurze wie lange Sicht nicht zu ersetzen sind. Dazu zählen vor allem Tätigkeiten und Eigenschaften wie Führung, Innovationsfähigkeit, Empathie, Kreativität und so weiter.

Wolfgang Lidl: Parallel dazu müssen Unternehmer auch die Voraussetzungen dafür schaffen, dass Mitarbeitern entsprechende Tools und Raum zur Verfügung gestellt werden und auch adäquate Schulungen zu Kompetenzentwicklungen erhalten, damit sie diesen Wandel auch vollziehen und mitgestalten können.

Zusätzlich zu all diesen gravierenden Veränderungen technologischer Natur stehen Unternehmen auch vor den Herausforderungen des demografischen Wandels. Denn neben den daraus resultierenden klassischen Themen wie Arbeits- und Fachkräftemangel rückt die Generation der „Digital Natives“, also jene Generation die im digitalen Wandel aufgewachsen ist, am Arbeitsmarkt nach und lenkt immer mehr die Geschehnisse aus leitenden Positionen. Dieser Generationswechsel bringt selbstverständlich auch eine Veränderung der für die Mitarbeiter aber auch Kunden wichtigen grundlegenden Werte mit sich.

Helmut Maier: Aus meiner Erfahrung stellt eine Organisation immer auch ein Abbild der dort miteinander arbeitenden Menschen dar. Deshalb ist es umso wichtiger, diesem Wandel an Werten durch die nachrückende Generation auch als Unternehmen gerecht zu werden. Alte Paradigmen, wie das Streben nach maximalem Profit, werden in diesem neuen Wertebild – welches sich derzeit, hervorgerufen durch das
Coronavirus, zusätzlich neu formiert – nicht mehr die zentrale Resonanz finden und haben somit ausgedient.

Wolfgang Lidl: Da stimme ich dir zu, Helmut. Denn in Unternehmen, in denen für die Werte und Bedürfnisse der jungen Generation kein Platz ist, wird auch langfristig kein Unternehmenserfolg zu erwirtschaften sein. Und aus der Summe dieser unterschiedlichen gegenwärtigen Herausforderungen und Anforderungen an Organisationen leiten sich einige grundlegende Handlungserfordernisse ab.

Helmut Maier: Aus unser beider Sicht ist also ein weiterer Unternehmensbaustein notwendig, der die kontinuierliche persönliche Weiterentwicklung jedes einzelnen Mitarbeiters fördert und es als essenzielles Asset für ein hochwertiges Humankapital im Unternehmen veranlagt. Infolgedessen muss die Rolle des Human Resource Managements und seine Herangehensweise im Sinne von Recruiting, individuellen Qualifizierungsstrategien und Employer Branding neu definiert werden. Für alle diese Änderungsprozesse durch die zukunftsorientierte Unternehmen gehen, gibt es keine vorgefertigten Patentrezepte mehr. Jede Organisation ist gefordert, hier kreativ und innovativ individuelle Lösungen zu finden und sich so vorteilhaft gegenüber dem Mitbewerb am Markt zu präsentieren.

Wolfgang Lidl: Wir von TopTraining bieten dazu jenen Unternehmen, die den Zeitgeist für sich und ihre Mitarbeiter nützen wollen, Mehrwerte, welche auf über 30 Jahren Erfahrung zu den angesprochenen Themen und darausfolgender Kompetenz beruhen.

Die zusätzliche Empfindung, aufgrund der aktuellen Komplexität und Unsicherheit vieles nicht mehr kontrollieren und verstehen zu können, drückt sich sehr oft in Hilflosigkeit aus. Ein Gefühl der Ohnmacht, was nichts anderes bedeutet als ohne Macht zu sein, macht sich breit. Dies birgt die große Gefahr in sich, in Zeiten extremer Veränderungen statt proaktiv auf diese zuzugehen in einer abwartenden Starre den Zug der Zeit zu verpassen. So liegt es in der Hand jedes Einzelnen, sich durch die Erweiterung
seines persönlichen Kompetenzspektrums in den Bereichen wie z. B. zeitgemäße Kommunikation, Selbstmanagement und Sozialkompetenz sowie Teamfähigkeit mit agilen Denk- und Arbeitsformen sowie notwendigem Fachwissen für die gegenwärtigen und zukünftigen Herausforderungen zu rüsten.

Helmut Maier: Die Basis dafür ist eine positive Einstellung zu lebenslangem Lernen, eine offene Haltung gegenüber neuen Technologien und die Sicherung von Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit durch ein erfolgreiches, persönliches Gesundheitsmanagement.

Wolfgang, besten Dank für diesen Dialog!


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